Auszeit & Ausflüge

Mein Rüdesheim: zwischen Brömserburg und DeLorean

Katharina Barth · Gastgeberin in Rüdesheim · · 5 Min. Lesezeit

Eingang zu den Rheingau Motor Classics in Rüdesheim
Aufnahme: Katharina Barth

Auf den ersten Blick wirkt Rüdesheim wie ein hübsches kleines Städtchen am Rhein. Historische Häuser, Weinberge, verwinkelte Gassen. Das stimmt natürlich. Aber wer dabei stehen bleibt, bekommt nur einen Teil mit.

Im Sommer lohnt es sich zum Beispiel, auf der Rheinstraße einfach einmal hinzuschauen: Zwischen Spaziergängern und Ausflugsgästen zeigen Oldtimer-Freunde ihre Autos. Ein DeLorean neben der Brömserburg – für einen Moment sieht es aus, als wäre jemand mit seiner Zeitmaschine direkt vor einer mittelalterlichen Burg gelandet.

Für mich passt dieses Bild ziemlich gut zu Rüdesheim. Hier treffen Dinge aufeinander, die man zunächst nicht zusammen erwartet.

Ein kleiner Ort mit vielen Persönlichkeiten

Rüdesheim hatte schon immer auch Platz für bunte Vögel: kreative Menschen, Originale und Menschen, die gern auffallen. Diese Seite gehört für mich genauso zum Ort wie Wein und Fachwerk.

Deshalb empfehle ich meinen Gästen, zwischendurch einfach zu schauen, was passiert. Welche Menschen unterwegs sind. Was gerade irgendwo aufgebaut wird. Welche Tür offensteht. Manche Entdeckung lässt sich vorher gar nicht in einen Reiseplan schreiben.

Bei den Motor Classics wird diese Mischung sichtbar: historische Kulisse und Autos, bei denen man gern ein zweites Mal hinschaut. Meine Bilder zeigen einen Besuch dort. Auch Kunst begegnet einem an unerwarteten Orten – etwa bei einer Ausstellung in der Brömserburg.

Zwei Oldtimer bei den Motor Classics
Motor Classics: historische Autos vor Rüdesheimer Kulisse.Aufnahme: Katharina Barth
Detail eines ungewöhnlichen offenen Wagens bei den Motor Classics
Ein Wagen, bei dem sich ein genauerer Blick lohnt.Aufnahme: Katharina Barth
Bilderausstellung im Gewölbe der Brömserburg
Kunst in der Brömserburg – Eindruck einer damaligen Ausstellung.Aufnahme: Katharina Barth

Die bekannte Rundtour – mit einem anderen Anfang

Die Tour mit Schiff, Sessellift und Seilbahn gehört zu den Klassikern. Wenn alle Verbindungen regulär verkehren, empfehle ich allerdings gern eine andere Reihenfolge: Zuerst mit dem Schiff nach Assmannshausen, dann mit dem Sessellift hinauf, durch den Niederwald Richtung Niederwalddenkmal spazieren und schließlich mit der Rüdesheimer Seilbahn hinunterfahren.

Viele starten direkt an der Seilbahn in Rüdesheim. Gerade an gut besuchten Tagen kann sich dort eine längere Schlange bilden. Mit dem Schiff anzufangen kann die Runde entspannter machen – und der erste Blick auf die Landschaft kommt gleich vom Wasser aus.

Wichtig ist, die Fahrpläne aufeinander abzustimmen und vorab zu prüfen, welche Verbindungen tatsächlich angeboten werden. Die Ring-Tour und die Romantik-Tour sind unterschiedliche Angebote; wählen Sie das passende Ticket zu Ihrer geplanten Strecke.

Einmal außen herum: der Panoramaweg

Wenn Sie Rüdesheim von einer anderen Seite kennenlernen möchten, empfehle ich den Panoramaweg. Hier lässt sich schön einmal außen um den Ort herumlaufen. Meine Aufnahmen zeigen einen grünen Wegabschnitt und ein Gesicht in einer Mauer – eine dieser kleinen Entdeckungen, an denen man leicht vorbeigeht.

Nehmen Sie sich unterwegs Zeit, auch auf solche Details zu achten. Für mich sind es gerade diese Fundstücke, die einen Spaziergang persönlich machen. Wählen Sie den passenden Abschnitt anhand der aktuellen Wegbeschreibung und planen Sie den Rückweg.

Grüner Abschnitt des Panoramawegs bei Rüdesheim
Ein grüner Abschnitt auf dem Panoramaweg.Aufnahme: Katharina Barth
Gesicht in einer Mauer am Panoramaweg
Eine kleine Entdeckung am Panoramaweg: das Gesicht in der Mauer.Aufnahme: Katharina Barth
Ein eigener Blick aus den Weinbergen auf Rüdesheim und den Rhein.Aufnahme: Katharina Barth

Einkehren gehört für mich dazu

Ein Ausflug muss nicht immer von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten führen. Manchmal ist der schönste Teil, irgendwo sitzen zu bleiben.

Für eine etwas ursprünglichere Seite von Rüdesheim empfehle ich zum Beispiel den Gutsausschank im Weingut Philipp oder „Zum kleinen Ortsgericht“. Solche Orte gehören für mich zum Aufenthalt: Wein trinken, etwas essen und sich Zeit lassen.

Auch bei Veranstaltungen lohnt sich ein Blick über die großen touristischen Termine hinaus. Wenn die Feuerwehren in Eibingen oder Rüdesheim ein öffentliches Fest veranstalten, können Gäste ebenfalls vorbeischauen. Dort erlebt man den Ort noch einmal anders und kommt vielleicht leichter mit Menschen ins Gespräch, die hier leben.

Mit Kindern darf es auch etwas Kleines sein

Beim Jagdschloss Niederwald gibt es ein Wildgehege. Tiere beobachten und mit dem dafür vorgesehenen Futter füttern: Manchmal reicht das schon für einen schönen gemeinsamen Moment. Ein Familienausflug braucht nicht immer ein großes Programm. Ein bisschen Wald, Tiere und eine Pause können genauso gut in Erinnerung bleiben.

Auch ein Abstecher zu Arne Kirsch am Obstgut Heim mit Zufahrt über Aulhausen lohnt sich, wenn dort gerade eine saisonale Aktion stattfindet. Kartoffeln selbst ernten oder Kürbisse entdecken: Das ist eine andere Seite von Rüdesheim – ländlich, überschaubar und etwas uriger.

Solche kleinen Erlebnisse empfehle ich Familien gern. Kinder können selbst etwas machen, und nebenbei lernt man die Menschen und die Landwirtschaft hinter dem Urlaubsort kennen. Welche Aktionen zum eigenen Aufenthalt passen, sollte man vorher anhand der aktuellen Termine prüfen.

Auch die kleinen Straßen erzählen etwas

Zwischen größeren Ausflügen lohnt sich eine Runde durch den Ort. Die Marktstraße und die evangelische Kirche gehören ebenso zu meinem Rüdesheim wie die Weinberge und der Rhein. Meine Fotos zeigen solche alltäglichen Ansichten – Orte, an denen man vielleicht vorbeigeht, ohne sie als eigenes Ausflugsziel einzuplanen.

Blick durch die Marktstraße in Rüdesheim
Unterwegs in der Marktstraße.Aufnahme: Katharina Barth
Evangelische Kirche in Rüdesheim hinter Bäumen
Die evangelische Kirche in Rüdesheim.Aufnahme: Katharina Barth

Und abends vielleicht Karaoke oder eine Party-Fähre

Rüdesheim kann auch anders. In der Asbachgasse gibt es je nach Programm beispielsweise Karaoke, Kunst und wechselnde Angebote. Dazu kommen Pop-up-Bars, die wieder eine andere Atmosphäre mitbringen. Welche Angebote gerade stattfinden, hängt vom jeweiligen Termin ab.

Und dann gibt es noch die Techno- beziehungsweise Party-Fähre: Feiern auf dem Rhein passt vielleicht nicht zum ersten Bild, das viele von Rüdesheim haben. Es gehört aber ebenfalls zu seinen Facetten. Meine Aufnahme hält einen solchen Moment fest; aktuelle Fahrten und Veranstaltungen richten sich nach dem jeweiligen Programm.

Man kann also tagsüber durch die Weinberge laufen, in einem Gutsausschank einkehren und am Abend etwas erleben, das man diesem kleinen historischen Ort zunächst vielleicht gar nicht zugetraut hätte.

Das möchte ich meinen Gästen mitgeben: Schauen Sie sich die bekannten Sehenswürdigkeiten an. Und lassen Sie daneben etwas Zeit für das Rüdesheim, das Ihnen unterwegs begegnet. Vielleicht steht gerade eine Zeitmaschine vor der Burg.

Party-Fähre auf dem Rhein vor Rüdesheim
Eine weitere Seite von Rüdesheim: die Party-Fähre auf dem Rhein.Aufnahme: Katharina Barth
Abendstimmung am Rhein – festgehalten in einer eigenen Videoaufnahme.Aufnahme: Katharina Barth

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